Im Interview Teil 1 haben Sie erfahren, wie energy consult als Pionier für die Betriebsführung von Windenergieanlagen die Anfänge der Windenergie mitgestaltet hat. Was daraus geworden ist und was energy consult heute leistet, darüber sprechen nun Henning Wegner, Geschäftsführer Vertrieb/Geschäftsentwicklung der energy consult GmbH, Hartmut Flügel, Geschäftsführer Technisches Betriebsmanagement, und Malte Mehrtens, Prokurist/Technischer Leiter.

Was hat sich seit den Anfängen der Windenergie geändert?

Wegner: „In der Zeit zwischen 1996 und 2000 stieg die Anzahl der produzierten Windenergieanlagen enorm an. Das EEG schuf die politische Basis für eine Energieversorgung aus regenerativen Energien und sicherte die Wirtschaftlichkeit über 20 Jahre – die Windenergie wurde ein industrielles Geschäft.“

Flügel: „Die gesamte Branche ist heute viel professioneller, auch was die Qualität der Produkte angeht: Hersteller bieten derzeit Vollwartungsverträge über 10 bis 15 Jahre an, das war Anfang der 90er undenkbar! Der Eigentümer hat die Möglichkeit, seine Anlagenverantwortung abzugeben. Außerdem gibt es präzise Vorschriften für den Arbeitsschutz und die Arbeitssicherheit und festgelegte Prüfzyklen und -vorgaben. Diese Vorschriften haben teilweise auch heute noch nicht den Stellenwert bei den Betreibern, wie er in anderen Industriebereichen Standard ist.

Heute haben wir in Deutschland über 25.000 Windenergieanlagen. Verschiedene Berufsgruppen betreuen diese durch Wartung, Reparatur, Kontrolle und Prüfung.“

Auswirkungen der Professionalisierung für den Betreiber

Welche Auswirkungen haben die Änderungen für den Investor oder Betreiber?

Wegner: „Wurden früher Einzelanlagen an einem Standort realisiert, sind es heute große Windparks mit durchschnittlich fünf Windenenergieanlagen, was einer Leistung von über 10 Megawatt und nicht selten Investitionssummen von über 30 Mio. Euro entspricht, wenn es die Fläche und alle weiteren Bedingungen zulassen.“

Flügel: „Heute sind so viele Koordinierungsaufgaben zu leisten, damit bei geringstmöglichen Betriebskosten eine höchstmögliche Verfügbarkeit und der maximale Ertrag erreicht werden – das kann ein Betreiber nicht nebenbei leisten wie vor 25 Jahren. Jedes Jahr kommen eine Vielzahl neuer Vorschriften und Anforderungen an das Projekt hinzu, sodass wir entscheiden müssen: Welche Maßnahmen ergeben sich daraus für uns und wer muss überhaupt was machen?“

Können Sie uns ein Beispiel nennen, Herr Flügel?

Flügel: „Noch nicht lange gibt es die Meldepflicht zum deutschen Anlagenregister. Da muss man wissen, wer was und bis wann melden muss, damit keine negativen rechtlichen Konsequenzen entstehen. Der Anlagenbetreiber wird über solch eine Änderung nicht automatisch informiert. Deswegen scannen wir bei energy consult regelmäßig die Vorschriftenlandschaft, sorgen dafür, dass die geltenden Vorschriften eingehalten werden, und informieren den Betreiber über diese Veränderungen und entsprechende Maßnahmen.

Strukturelle Veränderungen in der Betriebsführung für optimale Kundenbetreuung

Wie hat sich energy consult an veränderte Anforderungen angepasst?

Mehrtens: „2012 wurde die Direktvermarktung eingeführt, in den ersten zwei Jahren freiwillig. Voraussetzung war, dass der Windpark fernsteuerbar sein musste für den Direktvermarkter – das hat energy consult in kürzester Zeit durchgeführt für alle Windenergieanlagen, die wir betreuen. Damit sicherten wir unseren Kunden finanzielle Vorteile.“

Wegner: „energy consult ist seit den Anfängen immer am Puls der Entwicklung geblieben, hat sich am Dialog beteiligt mit Herstellern, Projektentwicklern und den Verbänden wie z. B. dem BWE. Außerdem waren und sind wir involviert in die Entwicklung von technischen Lösungen und Instandhaltungskonzepten. Trotz struktureller Umgestaltungen arbeiten bei energy consult heute noch immer die Experten, die schon in den Anfängen der Windenergie die Entwicklungen vorausgesehen, die Herausforderungen angenommen und die Zukunft mitgestaltet haben.

Heute stehen uns daher die Fach-Erfahrung und die Daten aus über 25 Jahren Windenergieanlagen-Betreuung zur Verfügung. Mit 37 Mitarbeitern betreuen wir heute 778 Windenergieanlagen mit insgesamt 1,5 Gigawatt Leistung. Die Windenergieanlagen werden heute von uns 24/7 überwacht, alle Daten elektronisch gesichert und verarbeitet.“

Rundum-Absicherung für den Betreiber und Investor

Flügel: „Heute haben wir für alle Gebiete der Betriebsführung von Windenergieanlagen Fachleute und bieten dem Betreiber eine Rundum-Absicherung. Wir haben uns wegbewegt von der rein technischen Betriebsführung hin zu einer Betriebsführung, die alle erforderlichen Aspekte in ihre Prozesse integriert hat und für den Kunden alle Vorschriften und Gesetze im Blick behält.

Wir sind auf die ständige Risikominimierung ausgerichtet, bei der technischen Betreuung vor Ort ebenso wie kaufmännisch oder steuerlich. Wir bereiten auch die Unterlagen vor, die unsere Kunden für die Steuererklärung an ihren Steuerberater weiterreichen, und arbeiten mit ihren Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern zusammen. Wir können heute jede Frage beantworten, die sich im Zusammenhang mit dem Betrieb einer Windenergieanlage stellt.“

Mehrtens: „Von der Netzanschlussplanung bis zur Technischen Prüfung sind wir technisch einfach sehr breit aufgestellt. Gleichzeitig haben wir viel technisches Know-how. Wir ziehen Erkenntnisse aus dem technischen Zustand der Windenergieanlagen und können diese bei weiterführenden Prüfungen nutzen. Somit überwachen wir mögliche Fehlerquellen, bevor Fehler auftreten.“

Herr Flügel, Sie sind ja selbst auch Geschäftsführer von mehreren Windparks. Welche Aufgaben bleiben dann heute noch dem Eigentümer einer Windenergieanlage?

Flügel: „Die typischen Geschäftsführerentscheidungen zu Investitionen, größeren Reparaturen, zur Instandhaltung und Liquiditätsplanung werden weiterhin von den Betreibergesellschaften getroffen: Technische Betriebsführer sind keine Entscheider, sondern Berater, die Empfehlungen aussprechen.

Vertrauensaufbau durch transparentes Reporting und persönlichen Kontakt

Herr Mehrtens, woran erkennt ein Asset-Manager einen guten Betriebsführer, wenn er von Windenergie inhaltlich wenig Ahnung hat?

Mehrtens: „Dies erkennt er daran, dass das Reporting umfassend ist, wenige Probleme im Betrieb der Windenergieanlagen auftreten und im Falle von Problemen diese direkt und offen angesprochen werden. Unsere Reportings enthalten die Auswertung der technischen und energetischen Verfügbarkeit, die Ertragsauswertung und die Bewertung nach Leistungskennlinien sowie eine Zusammenfassung der aufgetretenen Fehler und Ursachen. Natürlich benötigt ein institutioneller Investor ein anderes Berichtswesen als der Betreiber eines Bürgerwindparks. Deshalb beachten wir auch die Anforderungen des Kunden an das Windenergieprojekt.

Das transparente Reporting allein reicht aber für den Vertrauensaufbau nicht aus, sondern wir sitzen mit unseren Kunden in regelmäßigen Besprechungen zusammen, in denen wir gemeinsam die Strategie für den Windpark festlegen. Dazu beraten wir unsere Kunden natürlich, welche Instandhaltungen warum und wann sinnvoll und welche Verträge mit Direktvermarktern, Serviceunternehmen oder Versicherungen empfehlenswert sind. Diese Besprechungen erfolgen bedarfsgesteuert persönlich oder per Telefonkonferenz. Ich lege aber großen Wert darauf, auch die Kunden, deren Windenergieanlagen völlig einwandfrei laufen, mindestens einmal im Jahr zu besuchen, um den individuellen Bedarf zu erfahren und unsere Leistungen kundenindividuell anzupassen.“

Technisches Know-how, die Rundum-Absicherung des Betreibers und der vertrauensfördernde Direkt-Kontakt mit dem Kunden zeichnen energy consult aus. Wie das Unternehmen seinen Anspruch, der zukunftsorientierte Windpark-Manager für unterschiedliche Windenergietechnologien zu sein, auch in Zukunft erfüllen will, erfahren Sie im Interview Teil 3 .